Grundlagen zum Scaled Agile Framework for Lean Enterprises (SAFE)

SAFe Basics

Das Scaled Agile Framework for Lean Enterprises (SAFe) ist ein erprobtes Vorgehensmodell zur Skalierung agiler Methoden wie Scrum/XP auf Team-Ebene und Kanban zusätzlich auch auf der Programm-Ebene, Large-Solution-Ebene und Portfolio-Ebene. Diese Strukturen bauen im SAFe-Framework aufeinander auf und bilden die Unternehmenshierarchie ab. Dabei bildet die Portfolio-Ebene die Spitze. Die optionale Large Solution ist sinnvoll in außergewöhnlich großen Organisationen bzw. Projekten.

Grundlagen

SAFe fußt auf dem fundamentalen Wertekanon des sogenannten Lean-Agile-Mindsets. Das Mindset konstituiert sich aus den Prämissen eines angepassten (Software) House of Lean, das Wertschöpfung als oberstes Unternehmensziel propagiert. Gemeint sind damit im Einzelnen:

  • nachhaltig kurze Durchläufe
  • höchste Kundenzufriedenheit
  • beste Qualität
  • beste Mehrwerte für Menschen und Gesellschaft

Getragen wird diese Ausrichtung an der Wertschöpfung von vier Säulen:

  • Respekt für Menschen und Kultur
  • kontinuierlicher Produktionsfluss
  • Innovation
  • unermüdliche Verbesserung

Die Basis des SAFe House of Lean verkörpert demnach eine Unternehmensführung, die aufgrund ihres lean-agilen Trainings in der Lage ist, alle durch die vier Säulen repräsentierten Werte, Prinzipien und Verhaltensweisen zu leben und an Mitarbeiter und Kollegen zu vermitteln.

Ergänzt wird das Lean-Agile-Mindset durch die bekannten Prinzipien des Manifests der agilen Produktentwicklung. Gemeinsam mit weiteren agilen Praktiken bieten diese Prinzipien die Basis für effektives, kompetentes und funktionsübergreifendes Arbeiten im Team. Darüber hinaus sind sie die Grundlage für Selbstorganisation und Selbstmanagement.

Im Folgenden erläutern wir das Ebenenmodell und ermöglichen damit einen tieferen Einblick in die Struktur und Arbeitsweise einer SAFe-Implementierung.

Das SAFe-Ebenenmodell

Team-Ebene

Auf der untersten SAFe-Ebene organisieren sich Teams in einer Größenordnung von fünf bis neun Mitgliedern, darunter Scrum Master, Product Owner und Entwickler, Tester etc. Angelehnt an Scrum und Extreme Programming ist es Aufgabe der Teams, im Rahmen von Sprints bzw. Iterationen von jeweils ca. 14 Tagen Dauer User Stories zu definieren, zu entwickeln, zu testen und schließlich entsprechende Wertbeiträge zu liefern. Alternativ oder zusätzlich zur Scrum-Methodik ist an dieser Stelle auch Kanban einsetzbar. Mit dieser agilen Methode lässt sich evolutionäres Change-Management in Wissensarbeit und IT umsetzen. Ziel ist es, einen bestehenden Prozess basierend auf einem Wertemodell und unter Einsatz von Visualisierungstechniken in kleinen Schritten inkrementell zu verbessern.

Programm-Ebene

Auf der darüber angeordneten Programm-Ebene sind fünf bis zehn dieser Teams (ca. 50-125 Personen) im Kernelement von SAFe, den sogenannten „Agile Release Trains“ (ART), aggregiert. Große Unternehmen unterhalten üblicherweise mehrere solcher unternehmensstrategischen Programme und eine entsprechende Anzahl zugehöriger Release Trains.

Programm-/Team-Ebene (provided by Scaled Agile, Inc. / www.scaledagile.com)

Programm-/Team-Ebene (provided by Scaled Agile, Inc. / www.scaledagile.com)

Anforderungen an die herzustellenden Lösungen werden mittels eines Kanban-Systems vom Product Management im Program Backlog in Form von Features und deren Nutzen verwaltet und später von Product Ownern in Stories für die jeweiligen Teams aufgeteilt. Die Timebox beträgt auf Programm-Ebene etwa zehn Wochen (ca. fünf Team-Iterationen). Sie trägt im SAFe-Kontext die Bezeichnung Program Increment (PI). Startpunkt ist das PI Planning Meeting, eine etwa zweitägige Zusammenkunft aller Beteiligten eines Agile Release Trains. Hier werden neben Breakout Sessions (Meetings, die nur einen Teilausschnitt der Agenda behandeln) und Workshops in erster Linie Kapazitäten geplant, gegenseitige Abhängigkeiten identifiziert und das gemeinsame und wertschöpfende Ziel fokussiert. Resultat des PI Planning Meetings sind Pakete aus einzelnen Features des Program Backlogs. Diese PI Objectives ordnen sich die beteiligten Teams dann selbst zu und brechen sie im weiteren Verlauf in detaillierte Team Level Backlogs herunter.

Nach einer zehnwöchigen PI-Iteration werden die Inkremente der einzelnen Teams zu einem Program Increment zusammengefasst. Dann kann es von einem Agile Release Train ausgeliefert werden. Program Increments stellen zwar die regelmäßigen Zeitabschnitte (Kadenzen) des Agile Release Trains dar, müssen jedoch nicht zwingend mit kundenbezogenen Release-Zyklen übereinstimmen.

Analog der Rolle des Scrum Masters auf Team-Ebene unterstützt der Release Train Engineering (RTE) die Abläufe und die Selbstorganisation auf der Programmebene.

Large-Solution-Ebene

Diese Ebene ist bei der Umsetzung von SAFe optional und für Organisationen vorgesehen, die außergewöhnlich umfangreiche (Software-)Projekte/Programme realisieren und deshalb für lean-agiles Arbeiten zusätzliche Konstrukte, Koordinationsinstrumente und Artefakte benötigen. Hierzu zählen Solution Intent (Welche Lösung soll wie gebaut werden?), Solution Management (ein Product Management auf Large-Solution-Ebene), Entwicklung und Architektur, agile Kunden- und Lieferantenbeziehungen sowie die Koordination des aus mehreren Release Trains (ART) bestehenden Large Solution Trains.. Entsprechend sind zusätzliche Rollen vorgesehen (z.B. Solution Architect/Engineer und Solution Train Engineer).

Large-Solution-Ebene mit Solution Train (provided by Scaled Agile, Inc.)

Large-Solution-Ebene mit Solution Train (provided by Scaled Agile, Inc.)

Capabilities im Large Solution Backlog beschreiben die Eigenschaften der angestrebten Wertschöpfung auf einer relativ abstrakten Ebene. Sie werden in Form von Features auf der darunterliegenden Programm-Ebene im Program Level Backlog verfeinert und präzisiert. Die Synchronisierung mehrerer Agile Release Trains und wertschöpfungsrelevanter Lieferanten gelingt über Prä- und Post-PI Planning-Meetings, Lösungsdemos und Inspektions- und Anpassungs-Workshops.

Portfolio-Ebene

Auf dieser höchsten Ebene wird die Organisationsstrategie im großen Rahmen definiert (Portfolio Epics). Je nach Größe einer Organisation existieren auch mal mehrere Portfolio-Ebenen nebeneinander, die wiederum ihre jeweils eigenen Programme und Teams mit sich bringen. Unter der Verantwortung des Programm-Portfolio-Managements (PPM) kümmert man sich darum, Programme basierend auf strategischen Überlegungen und Investitionsabsichten mit Budgets und Zielvorgaben zu versorgen. Ein typischer Investmentzyklus dauert sechs bis zwölf Monate. Im Gegensatz zu den darunterliegenden Ebenen folgt der Zyklus jedoch keiner starren Kadenz.

Auf Portfolio-Ebene kümmern sich Unternehmensarchitekten gemeinsam mit Lösungs- und Systemarchitekten und weiteren Stakeholdern um technologische Initiativen (Enabler Epics) und treiben organisationsweite Standards voran. Kundenorientierte Business Epics werden in die Large-Solution-Ebene heruntergereicht und dort zunächst in die bereits erwähnten, noch relativ groben Capabilities geschnitten. Auf Programm-Ebene bricht man sie dann schließlich in feingranulare Features herunter.

Portfolio-Ebene (provided by Scaled Agile, Inc.)

Portfolio-Ebene (provided by Scaled Agile, Inc.)

Das Kanban-System auf Portfolio-Ebene bietet Wertstrom-übergreifenden Initiativen die nötige Transparenz und Lenkung, indem es Analysen strukturiert und eine klare quantitative Basis für ökonomische Entscheidungen schafft. Anhand von Metriken wird es möglich, den Prozess der kontinuierlichen Verbesserung im Sinne von „Kaizen“ voranzutreiben und über „Work in Progress Limits“ eine optimale Kapazitätsauslastung zu gewährleisten.

Treten Sie mit uns in Kontakt

Wenden Sie sich direkt an Ihren persönlichen Ansprechpartner für eine erste unverbindliche kostenlose Beratung zum Scaled Agile Framework for Lean Enterprises oder nutzen Sie das Kontaktformular:

Alexander Bingnet

Alexander Bingnet

Client Relationship Manager